13.12.10

Heimat oder Ich möchte endlich ankommen..

Diejenigen, die mich von meinem früheren Blog kennen, kennen auch meine Geschichte. Für neue Leserinnen hier eine kleine Zusammenfassung: Seit 1966 - bis vor zwei Jahren - lebte ich in Barcelona. Als ich in Rente ging, zog ich in eine kleine hübsche Stadt am Meer. Zuerst in eine sehr kleine Wohnung, doch als meine Kinder mir mitteilten, dass ich zwei Enkel bekommen würde, machte ich einen grossen Schritt: Ich liess mir meine private Rentenversicherung auszahlen und gab das ganze Geld (und noch viel mehr) aus, um diese Wohnung, in der ich jetzt seit anderthalb Jahren lebe, zu renovieren. Aus einer heruntergekommenen Wohnung, in der praktisch seit vierzig Jahren nichts mehr getan wurde, machte ich mein hübsches Heim. Ich hatte mein gesamtes Geld investiert (ja, ich bin viel zu impulsiv), da ich hier bis zum Tod leben wollte. Ich stellte es mir so schön vor: Meine Kinder würden samt Enkel abwechselnd jedes Wochenende kommen, konnten in dem tollen Gästezimmer übernachten, mit den Kindern den Strand und das Meer geniessen und alles wäre gut und richtig. 
Ok, das war mein Traum... die Wirklichkeit sah nach und nach ganz anders aus. Meine Tochter kam wirklich ab und zu, aber nur mit grossen Abständen.. verständlich, denn mit einem Baby hin und her zu fahren und sogar woanders zu schlafen, ist sehr anstrengend. Und noch verständlicher, wenn man bedenkt, dass meine Tochter (sie leitet zwei Reiseagenturen) mindestens jeden zweiten Sonnabend arbeiten muss. Mein Sohn (der - genau wie meine Tochter - rund 40 km von mir entfernt wohnt) hat mich nur einmal besucht, in dem Jahr seitdem das Baby da ist. Die Entschuldigung ist, dass es sehr anstrengend ist mit dem Baby, und dass sie sich am  Wochenende um die Wohnung und Wäsche usw. kümmern müssen (beide arbeiten ganztags).

Stand der Dinge ist also, dass ich hier vollkommen allein bin. Ausser mit meiner Nachbarin rede ich mit keinem Menschen. Langsam musste ich feststellen, dass diese kleine Stadt ausserhalb der Touristen-Saison trostlos ist. Und.. ich musste ausserdem feststellen, dass es bei meiner Wohnung nicht ausgereicht hat, sie zu renovieren, denn das Haus ist ja uralt und ziemlich heruntergekommen. Es gibt so viele Sachen hier, die für Deutsche wahrscheinlich unverständlich sind: Seit Anfang des Jahres überschwemmt meine Wohnung ein schrecklicher Kloakengestank. Nicht die ganze Zeit, nur ab und zu aber jeden Tag, er bleibt für mehrere Stunden und verschwindet dann wieder - bis zum nächsten Mal. Inzwischen weiss man, was die Ursache ist: Unten im Haus wurde vor einem Jahr bis Anfang dieses Jahres ein Luxus-Restaurant errichtet. Wie üblich in Spanien wurden die meisten Arbeiten von Nicht-Professionellen ausgeführt und dabei wurde die Kanalisation eben nicht korrekt installiert. Wann/ob das behoben wird, ist noch offen. Ich weiss nicht, ob sich jemand vorstellen kann, wie ich mich fühle, wenn ich in meine Küche gehe, um zu kochen und dort von diesem bestialischen Gestank empfangen werde. Der Hausbesitzer sagt, er wäre hilflos, denn die Reparation muss von der Stadt ausgeführt werden und er wisse nicht, wann das passiert...ich sollte Geduld haben...!
Das Nächste Übel: Die Türen hin zu meinem Balkon (vom Wohnzimmer und Büro) gehen nicht mehr zu, seitdem es kälter geworden ist. Es sind Holztüren - ebenfalls mindestens 60 Jahre alt - die sich irgendwie im Sommer verschoben haben. Dazu meint der Hausbesitzer, dass ich nicht die Einzige mit dem Problem wäre, an den Türen dürfte nichts geändert werden, ich sollte sie also einmal gewaltsam schliessen und nicht mehr öffnen. Einfach lächerlich. 
Aber das ist noch nicht alles: In meinem Büro schimmelt eine Wand vor sich hin (wie gesagt, vor anderthalb Jahren wurde meine Wohnung neu gestrichen.. damals gab es keinen Schimmel). Und ja, der Eigentümer versprach, sich darum zu kümmern, aber wann, das sagte er nicht. 
Dann mein ewiges Problem mit dem Strom: In der Wohnung befindet sich ein Zahler für 3,8 kW, das bedeutet, dass ich nicht gleichzeitig einen Heizer und den Boiler anmachen kann. Wenn ich die Waschmaschine anstelle, muss ich vorher den Boiler und den Heizer ausmachen. Kann sich das jemand vorstellen? Vor einiger Zeit erkundigte ich mich, was es kosten würde eine grössere Potenz zu installieren... rund 1.000 €, vielen Dank, darauf verzichte ich.
Das wären also die Probleme mit meiner Wohnung, meiner Einsamkeit und überhaupt. Doch nun, zum Eigentlichen: Als ich letzte Woche meine Tochter besuchte und mein Sohn ebenfalls kam und ich meine Enkel knuddeln konnte, sagten auf einmal alle gleichzeitig, dass ich mir eine Wohnung in ihrer Nähe suchen sollte. Dass ich endlich Leben in der Familie geniessen sollte und dass meine Enkelkinder eine Oma haben sollten, die sie besuchen könnten, wann immer sie wollten. Es gab mir einen Stich im Herzen, als ich hörte, wie meine Kinder (plus Schwiegertochter und -sohn) sich um mich sorgten. Sie redeten davon, dass ich viel zu abgelegen von Ärzten und Kliniken wohne und dass ich ja auch nicht jünger werde.
Mein Einwand, dass ein Umzug Geld kosten würde, das ich nicht habe, wurde abgewehrt. Irgendwie würde es schon gehen und in einer neuen Wohnung brauchte praktisch nichts gemacht zu werden. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich fühlen würde, in der Nähe meiner Kinder zu wohnen und sie praktisch täglich zu sehen. Das kenne ich nicht, diejenigen, die mich von früher kennen, wissen warum. Es würde mir sehr wehtun, meine schöne renovierte (allerdings stinkende) Wohnung dem Sch***eigentümer zu überlassen, aber entweder das, oder hier versauern. Wenn ich bloss wüsste, was das Richtige ist..

Kommentare:

Tilli hat gesagt…

Die Lösung bei der Wahl zwischen Einsamkeit und Stinkewohnung oder Umzug in die Nähe des Enkels??? Klingt für mich ganz einfach. Geld ist nicht alles!

Schmedderling hat gesagt…

Ach Du Liebe, ich kenne Deinen alten Blog, Deine Probleme...und daher ist die Entscheidung wirklich nicht einfach.
Und Dein Herz ? Was sagt das ?
Die Liebe Deiner zwei Enkel ist doch etwas Unersetzbaren, oder ?

Deine Tini

Moni hat gesagt…

Liebe Greta,

auch ich denke, dass die Stinkewohnung die weinger erstrebenswerte Möglichkeit ist. Wenndie neue WOhnung ganz Ok ist, ist es zwar schade, dass dein Wunsch nicht in Erfüllung ging, dort bis ans Lebensende zu leben.

Aber deine Enkelchen jeden Tag oder immer wann du willst knuddeln zu können und ihnen beim AUfwachsen zusehen zu können... wo deine Kinder dir das doch vorschlagen...

Ich denke, wenn du eine gute WOhnung in dieser Lage bekommst, wärst du viel besser dran.

Liebe Grüße!

Greta hat gesagt…

@an Euch beide: Mein Herz hat sich entschieden.. und meine Tochter hat nachgeholfen. Gerade als ich in den Blog geschrieben hatte (und um mein empfindliches Näschen wieder eine 'Duft'Wolke schwebte), rief sie an und sagte, dass sie die perfekte (und bezahlbare)Wohnung für mich gefunden hätte.. und morgen steige ich in den Zug und sehe sie mir an.. Oh Gott, in was lasse ich mich nur ein... der dritte Umzug in zwei Jahren.

Nervöse Grüsse

Moni hat gesagt…

Daumen sind ganz, ganz dolle gedrückt!!!
Liebe Grüße

Greta hat gesagt…

Ja, liebe Moni, die Entscheidung ist schon (fast) gefallen. Morgen mehr.

Liebe Grüsse

Traudi hat gesagt…

Liebe Greta,
auch ich bin der Meinung, du solltest dir die Wohnung anschauen. Sicher würdest du es bereuen, wenn du in deiner Wohnung bleiben würdest.
Ja, ich kann auch verstehen: das viele Geld, das du investiert hast und der Umzug kostet ja auch.
Aber deine Enkel und Kinder öfter zu sehen, ist unbezahlbar!
Folge deinem Herzen. Mit Hilfe deiner Kinder schaffst du das.
Ich wünsche dir alles Gute.

Viele Grüße
Traudi

Irmi hat gesagt…

Liebe Greta,
ich würde mich auch nicht lange zieren. Einsamkeit läßt sich nie mehr verdrängen. Einsam bleibt man immer. Daher würde ich Dir wirklich raten: Wage den 3. Umzug. Du kannst die Tür zumachen, wenn Dir nicht nach Familie ist. Das werden Deine Kinder verstehen. Trau Dich!
Liebe Grüße
Irmi